Thema: DEL - Reduzierung der Kontingentstellen? Die Lage der Liga und die Interessen der Clubs, eine Chance durch Corona für das Deutsche Eishockey an der Anzahl der Kontingentstellen etwas zu ändern?
(DEL) Wie schaut es aus in der DEL? Corona lässt viele Fragen offen, aber auch ansonsten könnte man über gewisse Änderungen der Strukturen innerhalb der Liga oder in den Clubs nachdenken. Ein kurzer Überblick über die Standpunkte der Clubs zum Thema Reduzierung der Kontingentstellen:
Beginnen wir mit den Eisbären Berlin, die von Peter John Lee und Stephane Richer geführt werden, gesteuert von der Anschütz-Gruppe. Die Eisbären stellen einen Spielerkader, der eine gute Mischung aus guten Deutschen Spielern, starken Kontingentspielern und guten junge Spieler hat. Letztlich ist es aber so, dass die jungen Deutschen bei den Eisbären zu wenig Spielzeit erhalten, da viele Plätze im Lineup durch erfahrene Spieler blockiert sind. Trainer Aubin setzt wie viele andere Trainer eben auch zunächst auf erfahrene Spieler, Ausnahmen wie Lukas Reichel sind selten. Es würde sich dann ändern, wenn die Anzahl der Kontingentspieler reduziert würde. Dann müssten die jungen Spieler zwangsläufig mehr eingesetzt werden und sie würden sich besser und schneller entwickeln.
Kommen wir zur Düsseldorfer EG. Nach dem Geschäftsführerwechsel darf man gespannt sein, wie die DEG sich in Zukunft aufstellen wird. Nikolaus Mondt als sportlicher Leiter, unterstützt von Daniel Kreutzer, haben sicherlich einen guten Blick für die Situation der Liga und der Spieler. Auch die DEG hat eine gute Mischung aus erfahrenen und jungen Spielern. In den letzten Jahren wurden einige Spieler abgegeben, die das Gesicht der DEG waren. Auch hier ist ganz klar zu sagen, dass Deutsche Franchise-Spieler gehen mussten, da zu viele Kaderplätze an vermeintlich stärkere Kontingentspieler vergeben wurden und eben junge Spieler nachrücken sollten. Schade, mit einer geringeren Anzahl an Kontingentspielern, hätte man auch hier ein Team mit einem noch stärkeren Gesicht an echten DEG-Spielern zur Verfügung.
Zu den Fishtown Pinguins aus Bremerhaven ist zu sagen, dass der Club darauf ausgerichtet ist, Spieler im Ausland zu finden, die einen Deutschen Pass besitzen oder denen ein Deutscher Pass ausgestellt werden kann. Der Club hat damit Erfolg, gut finden muss man das aber nicht unbedingt.
Die Kölner Haie haben eine tolle Nachwuchsarbeit. Auf Grund von Corona könnten diese Saison mehr junge Spieler zum Einsatz kommen, sollte es eine Saison mit den Haien geben. Sollte es zur Saison 2021/2022 wieder „normal“ laufen, werden aber auch die Haie wieder neun Kontingentspieler haben und die Plätze für junge Spieler oder auch Deutsche Spieler über 24 Jahren knapp werden. Spieler die noch eine gewisse Zeit bräuchten, um sich zu entwickeln, fallen dann wieder durch das Raster.
Bei den Krefeld Pinguinen ist durch den Wechsel in der Geschäftsführung noch keine klare Strategie erkennbar. Junge Spieler, auch Deutsche Spieler wurden verpflichtet. Aber es ist sicherlich nicht sinnvoll, so viele junge Spieler aus dem Ausland zu holen. So ist es auch weiterhin schwierig für junge deutsche Spieler, sich einen Stammplatz mit entsprechender Eiszeit zu ergattern. Dass man dazu Daniel Pietta aussortiert, ist nur schwer nachvollziehbar.
Die Iserlohn Roosters haben mit Christian Hommel einen jungen engagierten Sportlichen Leiter, der sich auch im Nachwuchs auskennt. Mit Herr Brück ist der starke Mann im Club ein Gesellschafter, der seit vielen Jahren den Club führt und dessen Wort in der Liga Gewicht hat. Die Roosters haben einen kleinen Strategiewechsel vollzogen und junge Deutsche Spieler haben das mit guten Leistungen zurückbezahlt. Aber da geht sicherlich noch mehr, aber eben nur dann, wenn die Plätze für das Lineup vorhanden sind.
Der ERC Ingolstadt wird von Jürgen Arnold und im sportlichen Bereich von Larry Mitchell geführt. Bei Herrn Mitchell ist bekannt, da wo er tätig ist, reduziert sich über Jahre die Anzahl der in Deutschland geborenen Spieler und es werden nach und nach mehr Nordamerikaner im Club spielen. Das war in Augsburg und Straubing so und das setzt sich in Ingolstadt fort. Der sportliche Leiter des ERC ist in Nordamerika bestens vernetzt und nutzt diese Kontakte vollständig aus. Ihm gelingt es dabei die Gesellschafter seines Clubs davon zu überzeugen, dass es notwendig ist mit einer solchen Anzahl an Kontingentspielern zu spielen. Es gibt sicherlich Gründe, warum das so ist!? Sein Club gehört auch immer zu denen, die gegen eine Reduzierung der Kontingentspieler sind.
Lange Zeit war er bei den Augsburger Panthern tätig. Mit Lothar Sigl ist dort ein Gesellschafter der starke Mann des Clubs. Herr Sigl ist absolut überzeugt davon, dass eine Reduzierung der Kontingentspieler nicht möglich ist. Er hat lange mit Larry Mitchell zusammengearbeitet und vieles davon ist bei ihm sicherlich hängengeblieben. Ob die Augsburger Panther mit sechs Kontingentspielern anstatt mit neun im Vergleich mit anderen Clubs wirklich weniger wettbewerbsfähig wären, ist aber eher Ansichtssache als bewiesen.
Bei den Straubing Tigers ist Gaby Sennebogen die starke Frau im kaufmännischen Bereich und Jason Dunham der sportliche Leiter. Die Tigers gehören zu den vermeintlich „kleinen“ Clubs der Liga, haben in den letzten Jahren aber gezeigt, dass man auch mit jungen Deutschen Spielern arbeiten kann und dass es diese Spieler für Clubs wie die Tigers durchaus gibt. Leider sind aber auch die Plätze bei den Tigers begrenzt und so wurde die Entwicklung von Spielern wie Max Renner, Sven Ziegler und Vladislav Filin durch fehlende Eiszeit deutlich gebremst.
Die Adler Mannheim haben viele junge Deutsche Förderlizenzspieler im Kader, aber nur wenige kommen dann auch regelmässig bei den Adler zum Einsatz. Selbst ein guter Scorer wie Yannik Valenti findet seinen Platz da bisher noch nicht. Es ist sicherlich nicht notwendig, bei der Anzahl an guten Deutschen Spielern und guten jungen Spielern neun Kontingentspieler zu verpflichten, die Adler tun es aber. Verstehen muss man das nicht!
Der EHC Redbull München macht mit der Redbull-Akademie eine hervorragende Jugendarbeit und setzt die Spieler auch ein, teilweise zumindest denn Don Jackson ist eigentlich auch eher ein Freund erfahrener Spieler. Mit Christian Winkler steht ein kompetenter Sportlicher Leiter dem Club zur Verfügung. München spielt teilweise mit weniger Kontingentspieler, aber letztlich wird dann doch auch immer wieder ein neuer Ausländer nachverpflichtet bis die erlaubte Anzahl erreicht ist.
Bei den Nürnberg Ice Tigers hat sich einiges getan, mit Wolfgang Gastner und Andre Dietzsch hat man eine gute Konstellation im Club und für das Deutsche Eishockey gute Leute. Dazu kam jetzt mit Frank Fischöder ein Eishockeyfachmann aus dem Nachwuchs. Allerdings muss man befürchten, dass durch die aktuelle Konstellation mit den vielen Nordamerikanern in den Clubs, es für einen eher „namenlosen“ Trainer nicht einfach werden wird. Die Ice Tigers sind eigentlich auf dem richtigen Weg, sowohl wirtschaftlich als auch sportlich. Man kann nur hoffen, dass es am Ende auch belohnt wird und ein Beispiel für andere Clubs ist.
Die Schwenninger Wild Wings haben in den letzten Jahren einen Deutschen Weg versucht, teilweise auch erfolgreich. Aber es geht halt nur, wenn alle Clubs diesen Weg einschlagen und eben die Regularien so sind, dass man damit auch Erfolg haben kann. Es ist nicht zu bezweifeln, dass erfahrene Ausländer zunächst individuell stärker sind, als junge Deutsche Spieler. Aber eine Entwicklung kann ein junger Spieler nur machen, wenn er auch spielen darf und dann eben auch noch mit 25, 26 oder 27 Jahren einen Platz in der Liga findet. Entwicklungen finden bei dem ein oder anderen Spieler auch Mitte bis Ende zwanzig noch statt. Die Wild Wings sind sicherlich ein Club, der einer Reduzierung der Kontingentstellen für gut empfinden würde. Christoph Sandner und Christoph Kreutzer wäre auf jeden Fall dafür.
Bei den Grizzly Wolfsburg ist Charly Fliegauf der starke Mann. Den Grizzlys ist es in den letzten Jahren immer gelungen, junge Deutsche Spieler zu holen und sie weiterzuentwickeln. Aber man geht auch immer an das Maximum bei der Verpflichtung von Ausländern, obwohl es nicht notwendig wäre. Der Club käme sehr gut klar, auch wenn man nur sechs oder sieben Kontingentstellen zur Verfügung hätte.
Zusammengefasst muss man sagen, es gibt verschiedene Interessen in der Liga. Ob es durch Corona gelingt die Clubs davon zu überzeugen, dass es nur sinnvoll wäre mehr auf den eigenen Nachwuchs und auf die Deutschen Spieler zu setzen und an der Schraube der Anzahl der Kontingentstellen zu drehen, bleibt abzuwarten. Zu wünschen wäre es, es würde dem Deutschen Eishockey und der Liga sehr gut tun!
| Montag 2.November 2020 | www.icehockeypage.de | ||
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